Vom staubigen Müllerhandwerk zur Traumühle
Sändkers Windmühle feiert 200. Geburtstag

200 Jahre durchzuhalten ist auch für eine Windmühle kein Zuckerschlecken. Ob Glück Geschick oder Zufall? Unzählige ihrer Art jedenfalls sind verschwunden, durch Sturm, Brand, Kriegszerstörung, Verfall oder einfach dem Zeitgeist erlegen. Während Städte wie Berlin 1860 noch 150 Mühlen besaßen, erinnern heute nur noch Straßennamen daran. Allein am Pariser Montmartre Hügel standen ehemals drei Windmühlen nah beieinander, die für van Gogh ein beliebtes Motiv seiner Malerei bildeten. Viele Stadtsilhouetten zierten im 17. bis 19. Jahrhundert Mühlen, so auch die von Soest, Hamm, Münster und andere. Wo sind sie geblieben?

Immerhin sie ist übrig geblieben! Viel erlebt hat sie, die alte Dame in Lippetal, und zeigt doch keine Altersschwäche. Vielleicht da sie von Anfang an immer erwünscht war, wenn auch zunächst an anderem Standort. Hatten doch die Vorsteher des Kirchspiels Lippborg Hahues und Kesseler in einer Bittschrift vom 1. Juli 1808 an den Grafen von Galen auf Schloss Assen wegen des häufigen Wassermangels der Quabbemühle den Bau veranlasst.

Dabei war allein schon ihre fünfjähriger Bauzeit von Schwierigkeiten gezeichnet, denn sie fiel mitten in die napoleonische Regierungszeit. Dies führte kurz vor Fertigstellung noch zu einem Baustopp, der aber von Assens ehemaligem Rentmeister und nun neuem Bürgermeister Lippborgs (Maire) Geisler erfolgreich gegen Zahlung eines Mühlenzolls in französischen Francs abgewendet werden konnte.

So ging sie am "Windmühlenknapp" in Lippborg an der heutigen B 475 im Jahre 1813 in Betrieb und viele lobten sogleich ihr schönes feines Mehl. Sie zog sofort viele Bewohner der "überlippischen" Dörfer Hultrop und Heintrop-Büninghausen an. Dort war schon lange eine eigene Mühle erwünscht, da sie in der Nähe von einer Stunde keine Mühle hatten.

Als hoher Kostendruck wegen anstehender Reparaturen durch zweimaligen Flügelbruch ihre Rentabilität in Frage stellte, bereiteten die Steuergemeinden Hultrop und Heintrop mit Ratsbeschluss vom 22. März 1858 dann schnell den Weg für eine Übernahme durch den damals zunächst angestellte Müller Heinrich Horstmann vor.

Durften nun auch einfache Leute wie er Mühlen betreiben, so kaufte er für 1600 Reichs-thaler die Mühle vom Grafen von Galen, baute sie in Lippborg ab und Stein für Stein in Heintrop wieder auf. Ein Großprojekt in der damaligen Zeit ohne Lastwagen und Baukran und kostenintensiv.
Heinrich Horstmann musste Geld aufnehmen um den kostspieligen Umzug zu realisieren. Seine Rechnung ging aber nicht auf. Schon im Jahre 1867 verkaufte er die Mühle an den Müller Heinrich Sändker aus Ennigerloh. 110 Jahre betrieb dann die Familie Sändker bis in die vierte Generationen die Windmühle. Der letzte Heintroper Müller, Wilhelm Sändker, mahlte in der Mühle bis zur Einstellung aus gesundheitlichen Gründen im Jahre 1976. Noch heute ist die Windmühle in Familienbesitz.

Nun hätte auch ihr der baldige Verfall drohen können. Doch sie war im Überlebenskampf nicht nur zäh, sondern auch gut "in Schuss", was Denkmalschützer zu schätzen wussten.
Zwar hatte ihr der Krieg die Flügel genommen, aber einzigartig war und ist das voll-ständig erhaltene und funktionstüchtige "Innenleben" mit sämtlichen Maschinen der "Feinmüllerei", mit denen auch das feine Bäckermehl gemahlen wurde.
Die Originalbalken und das Mauerwerk aus der Bauzeit vor 200 Jahren sind noch heute in der Windmühle. Besonders beeindruckend ist die zwei Tonnen schwere Flügelwelle, aus Eichenholz, in der Kappe der Mühle. Zwei Walzenstühle und ein Mahlgang sind im Original vorhanden. So setzten, zu ihrem Glück, umfassende Renovierungen ein, die ihr nicht zuletzt zur Vollständigkeit auch neue Flügel bescherten.

Nach der Renovierung im Jahre 1997 wurde sie der Öffentlichkeit als Mühlenmuseum wieder zugänglich gemacht. Bereits ein Jahr später 1998 wurde der "Förderverein Sändkers Mühle e.V." gegründet, der sich seitdem um die Belange der Mühle kümmert.
Ab dem Jahre 2010 ist sie "Traumühle" und 1. Standesamtliche Außenstelle der Gemeinde Lippetal geworden.

Sie hat nun 200 Jahre die Geschichte der Dörfer Lippborg, Hultrop und Heintrop- Büninghausen mit geprägt. Kindergärten, Schulklassen, Familientreffs, Vereine und Verbände zeigen die große Bandbreite der Besucherstruktur bei den Führungen.
Wer mehr wissen will, dem sei die frisch gedruckte Jubiläumschronik mit vielen alten Originalfotos, Briefen und Urkunden empfohlen, die beim Mühlenfest angeboten wird.

Zum 200. Geburtstag der Windmühle laden der Mühlenverein und die Familie Sändker ein. Am Pfingstmontag, dem 20. Mai 2013, wird ein großes Mühlenfest gefeiert.
Die Geburtstagsfeier wird mit einem Empfang beginnen, zu dem u.a. die Landrätin Frau Irrgang und der Bürgermeister Herr Lürbke ihre Teilnahme zugesagt haben.

Eine schöne alte historische Pferdekutsche wartet für Rundfahrten auf die Besucher.
Ein großer Handwerkermarkt mit vielen Ständen rund um die Mühle sorgt für Kurzweil. Highlight ist dabei der Originalnachbau einer alten Buchdruckerpresse, der Familie Althoff, bei der sich die Besucher ein Andenken selber per Hand drucken lassen können. Eine Ölmühle wird Öle dort herstellen und zum Verkauf anbieten. Beim Holzschuh-macher, Töpferei und den Seilern kann man den fleißigen Handwerkern wie gewohnt über die Schulter schauen.
Gartenaccessoires, Schmuckdesign, Feines aus Holz, Senfmühlenartikel, Eine - Welt Laden und vieles mehr. Für Kinder gibt es einen Stand mit Holzspielzeug, die Blaudruckwerkstatt und eine Hüpfburg.

Vor Ort frisch gebackenes Holzofenbrot wird sicherlich reißenden Absatz finden. Dazu Käse bei einem Gläschen Wein vom "Kleinen Lippetaler Weinhaus".
Von der ältesten Klosterbrauerei der Welt gibt es extra zum Fest ein "Jubiläumsbier" im Ausschank.
Leckeres aus der Hofschlachterei und die beliebte "Westfälische Wurstwirtschaft" sowie die stets begehrte Kaffee- und Kuchentafel im Gartencafé laden bei einem Platzkonzert der Blasmusik Hultrop zum Verweilen ein. In der Mühle wird es Führungen geben und eine Ausstellung zum Jubiläum. Eine Jubiläums-Chronik der 200-jährigen Geschichte wird zum Verkauf angeboten. Ein paar weitere Besonderheiten werden noch nicht verraten. Auch die Museumseisenbahn fährt um 13.30 Uhr von Hamm nach Heintrop zum Mühlenfest.

Als weitere Vorschau sei auf den 31.08.2013 hingewiesen, an dem es mit dem Gasthof Willenbrink ein Jubiläums-Dinner in der Mühle gibt. Vormerken kann man sich auch schon ein Mühlenkonzert am 14.09.2013.

Mehr Infos auf der Internetseite:
www.saendkers-muehle.de